„Für uns ist der Zug abgefahren. Wir sehen keine Möglichkeit mehr. Außer einige Mitarbeiter mit dem Ab- und Rückbau unserer Anlagen noch weiter zu beschäftigen“, zieht Betriebsrat Gerhard Leitner die bittere Bilanz zum Aus der RW silicium GmbH in Pocking.
Im Gespräch mit den CSU-Abgeordneten MdB Hans Koller, auch in seiner Funktion als Mitglied im Bundeswirtschaftsausschuss, sowie MdL Stefan Meyer zeigt er sich frustriert und gleichermaßen ernüchtert. „Das ist die Wirtschaftslage. Wenn China über uns hereinbricht, können wir nichts mehr ausrichten.“ Die letzte Mahnwache der Schichtarbeiter habe dahingehend vor allem einen symbolischen Charakter. Eben diesen wollen die CSU-Mandatsträger aus der Region mit ihrer Gesprächsbereitschaft aufgreifen: „Wir sind hier politisch gefordert entsprechende Schutzmechanismen zu installieren, damit China unseren Markt nicht mit Dumpingpreisen überschwemmt – das ist eine europäische Aufgabe“, bedauert MdB Hans Koller die Schließung des Rottwerks in Pocking. Auch, wenn man am Ende politisch wenig Möglichkeiten für eine Abwendung der Krise gehabt hätte. So haben die Energiekrise, zuletzt in Kombination mit dem Vormarsch des chinesischen Marktes das Aus des Rottwerks maßgeblich herbeigeführt. „Wir haben zuletzt 40 Prozent unter der Herstellerkosten verkauft. Energieintensive Industrie funktioniert in Deutschland einfach nicht. Für unser Produkt ist das natürlich fatal“, erklärt Geschäftsführer Stefan Bauer. Über die letzten drei Jahre habe man immer wieder gewarnt und gemahnt. „Der weltweite Silicium-Bedarf liegt bei vier Millionen Tonnen pro Jahr, die weltweiten Kapazitäten bei derzeit rund acht Millionen Tonnen pro Jahr, mit weiteren Ausbauplänen. Wir produzieren dreißigtausend Tonnen im Jahr und damit können wir bei den aktuellen Entwicklungen, gemessen am Bedarf, einpacken“, so der Geschäftsführer weiter. Dabei ist das Rottwerk in Pocking das einzige Silicium-produzierende Werk in Deutschland – gewesen. Die Silicium-Produktion wurde bereits im Oktober letzten Jahres zurückgefahren. „Die Lager waren voll und Strom wird in den Wintermonaten noch teurer“, so Bauer.
Das Auf und Ab der RW silicium GmbH ziehe sich bereits über die letzten drei Jahre. Zuletzt habe die amerikanische Konzernführung AMG mit dem österreichischen Vorstand die Schließung beschlossen. Die derzeit noch 108 Mitarbeitenden befinden sich über den Personalrat derzeit in Verhandlungen mit der Geschäftsführung zum weiteren Vorgehen hinsichtlich eines sozialverträglichen Stellenabbaus. „Natürlich ist die Stimmung schlecht. Jeder macht sich Sorgen. Es geht immerhin um viele Arbeitsplätze“, betont Gerhard Leitner gegenüber den Abgeordneten. Natürlich wolle man den Stellenabbau sozialverträglich gestalten, unter anderem auch unter Einbezug einer Transfergesellschaft. Die Zukunft des Industriestandortes sei dabei noch vollkommen offen. „Der Konzern hat viele Geschäftsbereiche. Daher ist auch noch völlig unklar, wohin die Reise hier am Standort Pocking geht. Verkauft wird das Areal erstmal nicht“, so Bauer. „Es wäre von hoher regionaler Bedeutung, wenn der Standort nicht in der Versenkung verschwindet, sondern die vorhandenen Ressourcen eine Verwendung finden – auch mit dem Blick auf die Entstehung neuer Arbeitsplätze“, so MdL Stefan Meyer. Er werde sich mit seinem CSU-Kollegen Koller mit Nachdruck für eine Weiterbelebung und den Erhalt des Geländes in Pocking als Industrieareal einsetzen.
