Pflegekosten durch Prävention senken

12.08.2026 | Stefanie Starke | Bad Füssing
Foto: Stefanie Starke
Foto: Stefanie Starke

Austausch mit Landtagsausschuss-Vorsitzenden Seidenath und MdL Meyer zu mögli-chem Modellprojekt der Vereinigung Selbstständiger Physiotherapeuten – ambulante Vorsorge stärken und Pflegebedürftigkeit vorbeugen?

Die Vereinigung Selbstständiger Physiotherapeuten (VSP e.V.) im niederbayerischen Bäderdreieck sieht großes Potential bei der Einsparung von Pflegekosten durch Präventionsmaßnahmen im Bereich der ambulanten Badekuren. „Mit gezieltem Krafttraining und Mobilitätstherapie kann hier viel erreicht werden. Wir sind überzeugt, damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Mobilität, Selbstständigkeit und Gesundheit leisten zu können“, so der Vorsitzende Benjamin Sigl bei einem Austausch mit MdL Stefan Meyer, der mit Bernhard Seidenath den Vorsitzenden des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Prävention des Bayerischen Landtags in die Region geholt hatte, um hier Ausschuss-spezifische Anliegen zu diskutieren. In diesem Fall die Ausgestaltung und Attraktivität der sogenannten ambulanten Badekur.
 
Im Raum steht die zentrale Fragestellung, wie man Seniorinnen und Senioren dabei unterstützen kann, länger mobil zu bleiben und damit gleichermaßen das Gesundheitssystem zu entlasten? Für Benjamin Sigl ist in diesem Zusammenhang die ambulante Vorsorgeleistung unumgänglich der richtige Weg: „Effektive Prävention ist der Schlüssel, um die Selbstständigkeit im Alter zu erhalten und langfristig Kosten im Pflegesektor einzusparen“, betont er im Rahmen der Gesprächsrunde, der sich weiter auch Dr. Arno Wenemoser in dessen Funktion als Vorsitzen-der der Deutschen Badeärzte, Bad Füssings Kur- und Tourismusmanagerin Daniela Leipelt, Bad Füssings Bürgermeister Tobias Kurz, Gerhard Winklhofer als Leiter des Gesundheit-ServiceCentrums in Bad Füssing, Heilbäderverband-Geschäftsführer Frank Oette sowie die stellvertretende Landrätin Cornelia Wasner-Sommer angeschlossen hatten. „Was den Bereich Prävention betrifft, sehen wir uns hier im Bäderdreieck bayernweit als Kompetenzzentrum: Wir kennen und können unser Geschäft“, betonte Benjamin Sigl. Er begrüßt grundsätzlich die politische Öffnung hin zur Prävention, sieht aber vor allem auch Perspektiven hin zum Pflegesektor: „Mit unseren therapeutischen Maßnahmen hätten wir große Potenziale, die Seniorinnen und Senioren länger mobil zu halten und damit deren Selbstständigkeit zu erhalten, um somit am Ende langfristig Kosten für das Gesundheitssystem zu sparen“, spielt er in diesem Zusammen-hang auf die sogenannte ärztlich zu verordnende ambulante Vorsorgekure, auch Badekuren genannt, an. Sigl spricht sich auch daher für einen niedrigschwelligeren Zugang älterer Menschen zur ambulanten Vorsorge aus. „Drei Wochen Anwendungen, maßgeschneidert, direkt im Kurort. Wir haben hier im Bäderdreieck die gebündelte Kompetenz vor Ort und sollten sie besser nutzen“, wünscht sich Sigl Maßnahmen, die das Umdenken in den Köpfen der Menschen anstoßen und die ambulante Vorsorgekur wieder stärker in den Fokus rücken – beispielsweise in Form eines speziellen Modellprojekts oder einer Langzeitstudie für das Bäderdreieck, die die Evidenz seiner Schilderungen offensichtlich darlegt.
Dabei wird sein Vorstoß grundlegend positiv bewertet. Auch aus Sicht der Deutschen Badeärzte kann der Vorsitzende Dr. Arno Wenemoser nur bestätigen: „Eine Studie, die sicherlich auch für die Krankenkasse von großem Interesse wäre – so etwas gibt es bisher nicht. Und wo es Möglichkeiten gibt, Kosten nachhaltig einzusparen, sollte man Potenziale ausschöpfen.“ Das Thema Pflege aus dem Blickwinkel der Prävention zu betrachten, sei ein wichtiger Ansatz, kann auch der Gesundheitsausschuss-Vorsitzende MdL Bernhard Seidenath nur zustimmen: „Der Pflegebedürftigkeit vorbeugen und damit Geld sparen – damit rennen Sie beim Bundesgesetzgeber, wie der Entwurf des Pflege-Neuordnungsgesetzes zeigt, offene Türen ein. Das ist der richtige Weg. Seitens der CSU-Landtagsfraktion haben wir uns schon seit längerem sehr für die geriatrische Reha eingesetzt – aus genau diesem Ansatzpunkt: Pflegebedürftigkeit vorzubeugen!“ Der Gesundheitspolitiker führt in diesem Zusammenhang jedoch auch weitere präventive Ansatzpunkte auf, die für das Bäderdreieck von großem Interesse sein könnten, wie beispielsweise das Betriebliche Gesundheitsmanagement. „Ambulante Badekuren könnten hier deshalb für Unternehmen interessant sein, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern anzubieten, sich gesund und fit zu halten.“
 
Im Rahmen des Austauschs wurde auch darüber gesprochen, wie die ambulante Badekur künftig attraktiver gestaltet und stärker an die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst werden kann. „Drei Wochen Freistellung für eine Kur – das ist für viele Arbeitnehmer heute nur schwer realisierbar. Das Angebot wird im Rahmen einer präventiven Leistung bislang nur selten in Anspruch genommen“, so Frank Oette, Geschäftsführer des Bayerischen Heilbäderverbandes. „Wir sollten uns nicht scheuen, neu zu denken und neue Wege zu gehen: in der heutigen Zeit sind drei Mal einwöchige Kuren – mit Abständen – sicherlich eher in als eine drei-wöchige Kur“, betonte Seidenath. „Auch deswegen gilt es in viele Richtungen zu denken, um sich als Kur- und Badeort zukunftsfit aufzustellen“, dankt MdL Stefan Meyer abschließend für den transparenten Austausch.
 
Foto (Stefanie Starke): (v. l.) Frank Oette, MdL Stefan Meyer, Benjamin Sigl, der Gesundheitsausschuss-Vorsitzende MdL Bernhard Seidenath, Cornelia Wasner-Sommer, Dr. Arno Wenemoser, Daniela Leipelt, Tobias Kurz und Gerhard Winklhofer.